Reise nach Aleppo

(eine kleine Ode)

wenn die sonne hoch und höher steht,

über der ausgebombten alten zitadelle,

der wind schwach und schwächer weht,

deckt der staub gar manche wunde stelle,

nur durch letzte schädel unverwest,

steigen noch die gelben würmer,

durch letzte museen noch die bilderstürmer,

rauben was verbleibt vom letzten rest,

noch nagen hunde letzte weisse knochen,

wen kümmert’s schon was hier verbrochen,

leere fenster schauen auf die alte stadt,

die 1000 jahre hethiter zu bieten hat,

doch drüben das letzte kinderhospital,

verbrannte oktober16 als feuriges fanal,

die kinder rennend in den sichern keller,

doch die clusterbomben waren schneller,

war der wunden heilung schon im verzug,

war es nun der kinder‘ letzter atemzug,

wurd‘ die sukul-medina abgefackelt als kulturverzicht,

für alle die sie kannten ein helles universelles licht,

mit ihr verbrannten: glaube, liebe und jede norm,

denn zeichen der barbaren ist die unbehau’ne form,

ist die kult des reinen staubs, die sünde ohn‘ gewicht,

deshalb schreib ich auch verzweifelt dies ein‘ gedicht,

verendet aleppo’s anmut, herz- und pulsschlag,

ist süss nur das chlorine, das aus roten behältern trat,

aleppo, deine hölle ist so einsam wie dein heisser wind,

die erinnerung ein bild von deinem letzten kind,

auch wenn der abendsonne letzter strahl,

tröstet was noch lebt in tausenden ruinen,

noch ein tropfen in viadukten mit aquaporinen,,

zu aleppo’s überleben gibt’s keine andere wahl

als den dornenweg zu geh’n durch die stadt der qual,

als nur einen schrei zu hören im friedhof voll schmerzen,

denn in jedem deiner särge liegt die hälfte unserer herzen,

solange eine letzte pflanze grünt und nicht sofort versiegt,

solange der geruch der fäulnis endlich mit dem wind verfliegt,

solang‘ uns verbleibt auch nur ein einz’ger unzerbombter stein,

kann die menschlichkeit ganz leise durch das letzte tor herein.“

Michael von Harpe – Januar 2017

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